No More Mr. Nice Guy ist ein Buch des Therapeuten Dr. Robert Glover, das bereits im Jahr 2000 in der ersten Auflage erschienen ist. Seitdem kamen mehrere Überarbeitungen dazu und das Buch wurde über 2 Millionen Mal gekauft. Es kann daher gut sein, dass einige Leser bereits mit dem Buch bekannt sind, auch wenn es direkt nichts mit Pornosucht zu tun hat.
Es gibt mehrere Gründe, warum ich in einem Blog über Pornosucht über das Buch No More Mr. Nice Guy schreibe. Erstens habe ich hier schon öfter Bücher vorgestellt, die direkt erst einmal nichts mit Pornokonsum zu tun haben, die aber trotzdem hilfreich sind. Zweitens bin ich selbst in einem Forum zum Thema Pornosucht auf das Buch aufmerksam geworden. Es scheint so, als würde es relativ große Überschneidungen zwischen Männern mit Nice Guy Syndrom und Männern mit hohem Pornokonsum zu geben. Drittens gibt es bei diesem Thema immer den Wunsch, nicht nur den Pornokonsum einzustellen, sondern sich auch persönlich weiterzuentwickeln. Dabei kann dieses Buch definitiv helfen.

Was ist das Nice Guy Syndrom?
Zunächst einmal sollte ich vielleicht erklären, was das sogenannte Nice-Guy-Syndrom überhaupt ist. Nice Guy heißt ja übersetzt so etwas wie Netter Kerl. Also eigentlich nichts Negatives. Warum also schreibt jemand ein Selbsthilfebuch zu diesem Thema, in dem es darum geht, dieses Nice-Guy-Syndrom abzulegen? Nice Guy zu definieren ist in wenigen Worten nicht einfach. Ich würde es wie folgt definieren:
Ein Nice Guy ist ein Mann, der Bestätigung und Anerkennung vor allem von außen sucht (oftmals von Frauen). Was auch immer er macht, macht er, um von anderen geliebt oder gemocht zu werden. Er glaubt, dass er nur „nett“ und „anders als die anderen Männer“ sein muss, um Frauen anzuziehen. Er glaubt, dass er die Zuneigung von anderen Menschen (vor allem Frauen) verdient hat, wenn er ihnen jeden Wunsch von den Lippen abliest. Wenn diese Frauen dann nichts von ihm wissen wollen (was meistens der Fall ist), reagiert er mit Verbitterung.
Natürlich ist das nur eine kurze Definition, denn immerhin wurde ein ganzes Buch über das Thema geschrieben. Das Nice-Guy-Syndrom abzulegen ist deshalb ein Ziel des Autors, weil Nice Guys oftmals das Gegenteil von nett sind: Sie sind nachtragend und verbittert, wenn sie nicht das bekommen, was sie zu verdienen glauben. Sie geben nur in der Erwartung, dass sie dafür auch etwas bekommen. Oftmals verhalten sie sich sehr kontrollierend gegenüber anderen Menschen. Sie sind bei einem Gespräch nie ganz anwesend, weil sie ständig darüber nachgrübeln, wie sie andere Menschen (vor allem Frauen) beeindrucken können. Oft handelt es sich um Perfektionisten.
Ich habe mich in diesem Buch an einigen Stellen wiedergefunden, da ich selbst jahrelang ein Nice Guy war und diese Tendenzen auch heute noch teilweise habe. Es handelt sich hier nicht um eine Krankheit, sondern um ein ziemlich häufig auftretendes Problem. Der Autor Dr. Glover hat selbst einige tausende Männer mit Nice Guy Syndrom behandelt.
Laut Dr. Glover ist das Ziel von No More Mr. Nice Guy nicht, das Gegenteil von nett zu werden, also jemand, der auf die Gefühle anderer Menschen keinen Wert legt und über Leichen geht, um selbst besser dazustehen. Das ist genauso schlecht oder noch schlechter als das Nice Guy Syndrom. Immerhin haben Nice Guys in der Regel gute Absichten, auch wenn sie in der Realität wie oben beschrieben teilweise alles andere als nett sind. Das Ziel ist laut Dr. Glover „integrated“ zu werden. Das ist schwer zu übersetzen. Ich würde es vielleicht am ehesten übersetzen mit „im Reinen mit sich sein“.
„Integrated“ zu sein bedeutet laut Dr. Glover:
- Verantwortung für das eigene Leben und die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen.
- Anderen zu geben, ohne etwas zurück zu erwarten
- Integer/authentisch zu sein, das heißt Handlungen stimmen mit den eigenen Werten überein.
- Keine Angst vor Konflikten haben und Grenzen setzen können, „Nein“ sagen können
- Den Selbstwert nicht von der Zustimmung Anderer abhängig machen.
No More Mr. Nice Guy ist ein gutes Selbsthilfebuch
Der Autor geht in No More Mr. Nice Guy darauf ein, wie sich ein solches Nice-Guy-Syndrom entwickelt. Es hat oftmals damit zu tun, dass der eigene Vater oder andere männliche Rollenmodelle während der Kindheit und Jugend abwesend waren, entweder physisch oder emotional. Manche Väter sind ganz abwesend, d.h. nicht Teil der Haushalts, manche arbeiten so lange, dass sie kaum jemals Zeit mit ihren Kindern verbringen. Viele Jungs werden dadurch zuhause und in der Schule fast nur von Frauen großgezogen und sind von frühester Kindheit darauf bedacht, es Frauen recht zu machen und anders zu sein als ihre Väter. Dies setzt sich fort, bis der Nice Guy dann selbst Beziehungen zu Frauen eingeht oder das will (Das Nice Guy Syndrom ist bei Homosexuellen übrigens genauso stark ausgeprägt, wie Dr. Glover im Buch beschreibt).
Die Therapie bei diesem Nice-Guy-Syndrom besteht darin, sich selbst dabei zu ertappen, wenn man Anerkennung von außen sucht. Stattdessen ist es wichtig, den eigenen Selbstwert zu erkennen. Dazu gehört auch, Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen, d.h. etwas Gutes für sich selbst zu tun und den eigenen Körper und Geist zu pflegen. Nice Guys werten oftmals die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen Bedürfnisse und bestreiten teilweise, dass sie überhaupt Bedürfnisse haben. Zur Therapie gehört auch, Grenzen zu setzen und zu lernen Nein zu sagen. Wer Nein sagt und klare Grenzen hat ist ironischerweise deutlich attraktiver für andere als jemand, der es allen recht machen will. Ecken und Kanten sind attraktiv, Glattheit ist es nicht.
Insgesamt kann ich No More Mr. Nice Guy nur empfehlen für alle, die genau wie ich solche Tendenzen bei sich festgestellt haben und die das frustriert. Das Buch hat vielen tausenden Männern geholfen, sich weiterzuentwickeln und bessere Beziehungen zu führen.
No More Mr. Nice Guy bei Amazon kaufen*
* Ein mit Stern (*) gekennzeichneter Link ist ein Affiliate-Link. Wenn Sie ein Produkt über einen solchen Link kaufen, erhalte ich einen kleinen Prozentsatz des Kaufpreises als Provision. Für Sie entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.