Was ist Pornosucht? Weitere Nachteile und Symptome

Im letzten Teil dieser Serie zum Thema „Was ist Pornosucht?“ haben wir uns auf zwei Studien konzentriert, die einige Nachteile im Bezug auf Pornografie gefunden haben. Dies sind aber nicht die einzigen negativen Begleiterscheinungen, die Pornonutzer erfahren. Anbei eine (nicht vollständige) Liste mit häufigen Nachteilen und Konsequenzen, die tausende Nutzer in Onlineforen zum Thema Pornosucht wahrnahmen und die teilweise in wissenschaftlichen Studien bestätigt wurden

PIED (Porn-Induced Erectile Dysfunction)

Unter der Abkürzung PIED versteht man Erektionsprobleme, die im Zusammenhang mit übermäßigem Pornokonsum stehen. Wenn man eine Erektion beim Pornokonsum erreichen kann, aber nicht mit einer Partnerin, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Pornos die Ursache für die Erektionsprobleme sein können. Ein anderer möglicher Grund ist Performance Anxiety. Hierbei ist die Ursache der Erektionsprobleme, dass man mit einer Partnerin Nervosität empfindet und sich selbst unter Druck setzt. Der 2021 leider viel zu früh verstorbene Gary Wilson, der yourbrainonporn.com startete, schlug folgenden Test vor: Wenn man problemlos eine Erektion mit Pornos bekommen kann, aber nicht ohne Pornos und Porno-Fantasien mit der eigenen Hand, kann man Performance Anxiety ausschließen, da man keinen Druck und keine Angst empfinden sollte, wenn es nur um die eigene Hand geht. In diesem Falle ist PIED die wahrscheinlichste Ursache.

Die im letzten Teil dieser Serie vorgestellte Studie University of Cambridge fand ebenfalls Hinweise für PIED. Zitat: „CSB (Compulsive Sexual Behavior) subjects compared to healthy volunteers had significantly more difficulty with sexual arousal and experienced more erectile difficulties in intimate sexual relationships but not to sexually explicit material.“

Seit dem Aufkommen des Internets und der Internetpornografie kommen Erektionsprobleme immer häufiger bei jüngeren Männern vor, während es historisch fast nur ältere Männer betraf.

Viele Nutzer in Onlineforen berichten, dass dich ihre Erektionsprobleme (PIED) besserten oder ganz in Luft auflösten, wenn sie Pornos komplett aufgeben (dies kann allerdings eine längere Zeit dauern).

DE (Delayed Ejaculation)

Delayed Ejaculation beschreibt Probleme, beim Geschlechtsverkehr mit einer Partnerin (aber nicht mit Pornografie) zum Orgasmus zu kommen. Dieses Problem könnte ebenfalls mit Toleranz zusammenhängen (die Realität kann mit den Videos im Internet nicht mithalten und es wird nicht das gleiche Level der Erregung erreicht). DE kann manchmal eine Vorstufe zu PIED sein. Man erreicht zwar noch eine Erektion, die Erregung hat aber schon nachgelassen.

In diesem Artikel finden sich eine Menge Erfahrungsberichten von Nutzern, deren DE verschwand, als sie ihren Pornokonsum aufgaben.

Depressionen

Depressionen sind eine relativ häufige Begleiterscheinung von übermäßigem Pornokonsum. Auch die im letzten Artikel betrachtete Cambridge-Studie fand Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Depressionen gibt (Zitat: „CSB subjects had higher depression and anxiety scores“).

Warum dies geschieht, ist nicht ganz klar. Es gibt aber einige mögliche Erklärungen. Wenn das Gehirn Toleranz durch übermäßigen Pornokonsum entwickelt, werden nicht nur frühere Videos und Bilder uninteressant. Auch Aktivitäten des alltäglichen Lebens fühlen sich weniger gut an und die Motivation sinkt. Außerdem kann es sein, dass der Pornokonsum so sehr eskaliert und man sich Genres anschaut, die den eigenen Werten widersprechen. Dies kann zu Schamgefühlen und Verzweiflung führen. Suchtprobleme führen häufig auch zu erhöhtem Stress und Isolation, wodurch sich die Depression noch verstärken kann.

Problematisch ist, wenn man in einen Teufelskreislauf gerät. Pornos verstärken die Depression und die Depression ist ein Grund dafür, warum man Pornos schaut. Dieser Teufelskreislauf findet sich bei einigen Problemen mit Bezug auf Pornografie wieder. Pornokonsum ist gleichzeitig Ursache und Wirkung für viele Symptome. Wir schauen pornografische Videos und Bilder, um mit unseren negativen Emotionen und Problemen klarzukommen, das führt allerdings zu einer Verstärkung der negativen Emotionen und Symptome.

Nutzer, die Pornografie aufgeben, erfahren manchmal eine vorübergehende Verschlechterung der Depression. Wenn die einzige Sache (oder eine der wenigen), die einem noch Freude bereitet hat, wegfällt, hinterlässt das eine Lücke im Leben. In diesen Fällen sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Motivationslosigkeit

Hängt damit zusammen, was oben bei Depressionen geschildert wurde. Alltägliche Dinge bereiten kein Vergnügen mehr und daher sinkt auch die Motivation dafür. Motivation wird u.a. vom Neurotransmitter Dopamin gesteuert. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn wie eine Belohnung antizipieren und motiviert uns, etwas zu tun, um diese Belohnung zu erhalten. Entwickelt das Gehirn Toleranz, spricht es weniger als vorher auf Dopaminausschüttungen an. Als Folge fühlt man sich weniger motiviert, alltägliche Dinge in Angriff zu nehmen

Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten

Liest man in Recovery-Foren die Berichte von (ehemaligen) Pornonutzern, stolpert man dort häufig über den Begriff „Brain Fog“. Darunter versteht man eine gewisse Benommenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsprobleme.

Gibt man bei yourbrainonporn.com den Suchbegriff „concentration“ ein, findet man aktuell 83 Seiten mit Erfahrungsberichten von ehemaligen Nutzern, die von verbesserter Konzentration berichten, nachdem sie ihren Pornokonsum eingestellt haben.

Forscher der Universität Duisburg-Essen fanden im Jahr 2012 in einer Studie heraus, dass sich das Anschauen von pornografischen Bildern negativ auf das Kurzzeitgedächtnis (working memory) auswirkt. Das Kurzzeitgedächtnis speichert kurzfristig gerade erst aufgenommende Informationen, die dann unter Umständen ins Arbeitsgedächtnis übernommen werden. Beim Transfer von Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis spielt die Gehirnregion namens Hippocampus eine wichtige Rolle. Depressionen und erhöhter Stress (beides kommt bei übermäßigem Pornokonsum häufig vor) wirken sich negativ auf den Hippocampus aus.

Einsamkeit/Isolation

Auch hier handelt es sich um einen Teufelskreislauf. Einsamkeit kann zu erhöhtem Pornokonsum führen und dieser kann dazu führen, dass man sich noch mehr isoliert. Eine relativ neue Studie vom April 2021 fand eine positive Korrelation zwischen Pornokonsum und Einsamkeit. Auch gibt es einige Studien, die einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Internetnutzung allgemein, Videospielen und Smartphonenutzung herstellten.

Vor allem ältere Menschen, die noch ohne diese Technologien aufgewachsen sind, wird das kaum überraschen. Während es früher vollkommen normal war, dass man nach der Schule stundenlamg mit anderen Kindern spielte, finden viele Hobbys heute hinter einem Bildschirm statt. Viele Nutzer berichten auch, dass ihr Pornokonsum zu einem geringeren Selbstvertrauen geführt hat, was wiederum zu mehr Isolation und Einsamkeit führen kann.

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